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Volkstrauertag 2016

Am vergangenen Sonntag, dem Tag des Volkstrauertages, fand in der Gemeinde Altdorf nach dem Hauptgottesdienst, auf dem Friedhof am Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege, eine Gedenkfeier statt. Die von der Gemeinde und den örtlichen Vereinen gemeinsam ausgerichtete Feierstunde wurde vom Sängerbund Altdorf mit dem Lied „Eine Hand voll Erde“ unter Leitung von Carol Rüdt musikalisch eröffnet und durch einen Beitrag des Evangelischen Jugendwerkes Altdorf bereichert.  

Bürgermeister Kälberer begrüßte zunächst die anwesenden Teilnehmer und wies darauf hin, dass der Volkstrauertag ein Tag der Trauer und der Mahnung, aber auch ein Tag der Hoffnung und der Versöhnung sowie der Verpflichtung für die Zukunft, zugleich ist. Naturgemäß verringert sich die Zahl derer, die einen gut bekannten Angehörigen im letzten Krieg verloren haben, auf Grund des Zeitablaufes in hohem Maße. Insoweit rückt für immer mehr der Bürgerinnen und Bürger dieser Volkstrauertag von Jahr zu Jahr stets weiter aus dem Blickfeld, zumal Trauer zunächst etwas ganz persönliches ist. Daher stellt sich gerade bei den jüngeren Bevölkerungsgruppen umso mehr die Frage, warum sollen wir heute noch trauern, und was bedeutet eigentlich dieser von Staats wegen angeordnete Volkstrauertag. Zugleich stellt sich ebenso die Frage, ist denn diese Trauer an diesem Tag etwa darauf beschränkt, nur die Verluste, die unser Land erleiden musste, zu betrauern. Nein, dies kann nicht mehr der Sinn des Volkstrauertags sein, wenn über diese Gedenkveranstaltung gesprochen wird. Gemeint ist heutzutage vielmehr, dass gemeinsam getrauert wird und nicht der einzelne Mensch für sich allein. Zugleich wird die enorme Anzahl von Toten, die durch kriegerische Auseinandersetzungen in der der Vergangenheit aber auch gegenwärtig hinzunehmen sind, beklagt. Insoweit bedarf es keiner direkten Verwandtschaft mehr mit einem Verstorbenen und auch keiner direkte Betroffenheit. Daher wird am Volkstrauertag nicht mehr für sich alleine, sondern gemeinsam in der Gemeinschaft getrauert, um die durch Gewalt gestorbenen Personen und daran erinnert, wie kostbar unsere Demokratie und die darin verbrieften Menschenrechte sind. Dass diese wertvollen Güter und Errungenschaften schneller als man denkt zur Disposition stehen können, wird durch die vielfältigen Konflikten, die es heutzutage auf der Welt gibt, sehr deutlich. Bürgermeister Kälberer wies in seiner weiteren Aussprache auch darauf hin, dass im letzten Jahr fast eine Million Menschen nach Deutschland gekommen sind, die vor Krieg und Terror fliehen mussten, die unsäglichen Schmerzen und großes Leid, welche die Kriege über diese Menschen erbracht haben, erdulden mussten. 

Frau Bettina Kittelberger leitete den Part des Evang. Jugendwerkes ein, in welchem sie in Ihrer Ansprache auf die 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges, 55 Mio. Menschen, die in diesem Krieg ihr Leben verloren haben, hinweist; eine unbegreifliche Zahl. Welche Dimensionen diese Zahl beinhaltet, machte Bettina Kittelberger sehr plastisch deutlich, in dem Sie darauf hinwies, dass, wenn 50 Menschen, die dicht gedrängt nebeneinander stehen und dahinter wieder 50 Menschen und das eine Million Mal, würde dies eine Menschenschlange von 1.000 km quer durch Deutschland ergeben, dies ergibt schlussendlich eine Zahl von 55 Mio. sinnlos beendeter Leben. Auch ging sie in ihren weiteren Ausführungen auf das diesjährige Jahresthema „Flucht und Vertreibung ein, und machte am Beispiel vom Sudan, eines der Länder, aus denen Flüchtlinge in großer Anzahl in die Nachbarländer strömen, deutlich, dass auch heute noch zehntausende Menschen getötet werden und dort mehr als 2,1 Mio. Menschen aus ihrem Heimatland vertrieben worden sind. Die US Photo-Journalistin Shannon Jensen hatte bereits 2012 diese katastrophale Lage der Vertriebenen, die um ihr Leben gerannt sind, dokumentiert. Sie konzentrierte sich bei ihren Fotografien auf die Schuhe dieser Flüchtlinge, die oftmals mit abgelaufenen Sandalen, zerfledderten Flipflops, löchrigen Turnschuhen oder brüchigen Plastikballerinas diesen gefährlichen und mühsamen Weg auf sich nahmen. Anhand mehrerer übergroßen Fotografien wurden die Namen und das Alter dieser Flüchtlinge vorgetragen. Neben Kindern und Flüchtlingen haben diese Flucht auch Personen im Alter von 70 Jahren auf sich genommen.  

Unter den Klängen des Sängerbundes Altdorf mit dem „ Irischer Segenswunsch „ legten im Anschluss hieran die Vereinsvertreter der örtlichen Vereine, die Herren Wolfgang Wenzelburger, Manuel Golker, Klaus Veith, sowie von der Freiwilligen Feuerwehr Herr Christoph Wenzelburger gemeinsam mit Bürgermeister Kälberer einen Kranz am Ehrenmal nieder.  

In seinem Abschlusswort ging Bürgermeister Kälberer auf die jüngsten Ereignisse in unserem Land ein, die ebenfalls Anlass zur Sorge geben, da offenbar viel zu Viele aus unserer Geschichte nichts gelernt haben. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind nicht nur auf dem Vormarsch, sie scheinen langsam sogar salonfähig zu werden. Wenn zur Kenntnis genommen werden muss, mit welcher Erbarmungslosigkeit und mit welchem Hass, Menschen anderer Herkunft, anderen Glaubens oder einer anderen Ethnie, ausgegrenzt, geschmäht und physisch sogar attackiert werden – und dies nicht selten in aller Öffentlichkeit – muss dies einen beschämen und wütend zugleich machen, und alle Bürgerinnen und Bürger sind in diesem Fall zum Handeln und Gegensteuern aufgefordert. Damals wie heute sind es neben fehlender Empathie und kleinbürgerlicher Enge auch Geschichtsvergessenheit auf der einen und Geschichtsversessenheit auf der anderen Seite, die den Nährboden für diese, sehr bedenkliche Entwicklung bilden. Bürgermeister Kälberer rief daher abschließend auf, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu nutzen, damit die in unserer Gesellschaft fest verankerten Werte auch bestehen bleiben.

Letzte Änderung: Montag, 14.11.2016   |   Erstellt von TYPO3-Beratung.com, Nürtingen/Altdorf